Henry Ford — Teil 10: Warum nicht immer gute Geschäfte machen?

[Die Autobiographie von Henry Ford die Gründung und Bau der Ford Motor Company sowie seine Unternehmensphilosophie beschreiben. Ford war einer der weltweit größten Industriellen, Geschäftsleute, Unternehmer und Visionäre. Er führte das Fließband, Kurzarbeit, führte eine hohe Mindestlöhne, die Fünf-Tage-Woche, usw., zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ford war stark von Adolf Hitler, die treibende Kraft hinter dem Nationalsozialismus zu bewundern. Im Gegenzug wurde Ford ein Bewunderer von Hitler und sein Verständnis für die Bedrohung der Welt mit dem internationalen Judentum konfrontiert zu gleichen Teilen getragen. — KATANA]

Henry Ford - Mein Leben Und Werk - Cover

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Mein Leben und Werk

 

Henry Ford

 

 

Teil 10 

 

Henry Ford - Mein Leben Und Werk - Portrait

 

 HENRY FORD

MEIN LEBEN UND WERK

EINZIG AUTORISIERTE DEUTSCHE AUSGABE

VON

CURT UND MARGUERITE THESING

ACHTZEHNTE AUFLAGE

PAUL LIST VERLAG LEIPZIG

DRUCK VON HESSE & BECKER, LEIPZIG

1923

 

 

INHALT

Seite

 

Vorwort des Herausgebers  . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . . . . . . VI

Einleitung Mein Leitgedanke  . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . . . .  1

I. Kapitel. Geschäftsanfänge  . . . . . . . . . . . . . . . . .  . . . . . . . . . . . 25

II. Kapitel. Was ich vom Geschäft erlernte  . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

III. Kapitel. Das eigentliche Geschäft beginnt . . . . . . . . . . . . . . . 54

IV. Kapitel. Das Geheimnis der Produktion und des Dienens . . . 74

V. Kapitel. Die eigentliche Produktion beginnt  . . . . . . . . . . . . . . 89

VI. Kapitel. Maschinen und Menschen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  . 106

VII. Kapitel. Der Terror der Maschine  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  120

VIII. Kapitel. Löhne  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135

IX. Kapitel. Warum nicht immer  gute Geschäfte machen?. . . . .153

X. Kapitel. Wie billig lassen sich Waren herstellen? . . . . . . . . . . 165

XI. Kapitel. Geld und Ware  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183

XII. Kapitel. Geld — Herr oder Knecht?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198

XIII. Kapitel. Warum arm sein?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .215

XIV. Kapitel. Der Schlepper und elektrisch

betriebene Landwirtschaft  . . . . . . . . . . . . . . . . . .228

XV. Kapitel. Warum Wohltätigkeit?  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 242

XVI. Kapitel. Die Eisenbahnen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260

XVII. Kapitel. Von allem Möglichen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  274

XVIII. Kapitel. Demokratie und Industrie  . . . . . . . . . . . . . . . . . .  296

XIX. Kapitel. Von künftigen Dingen  . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 312

VI

 

 

IX. KAPITEL

 

 

Warum nicht immer  gute

 

Geschäfte machen?

 

 

 

 

 

 

Der Arbeitgeber muß für das Jahr sorgen. Der Arbeitnehmer muß für das Jahr sorgen. Aber beide arbeiten in der Regel nur für die Woche. Sie nehmen Auf träge und Arbeit an, wo sie sie bekommen und zu dem Preise, den man ihnen bewilligt. In guten Zeiten sind Aufträge und Arbeit reichlich vorhanden; in einer „flauen“ Geschäftszeit sind sie rar. Im Geschäftsleben herrscht immer „Hausse“ oder „Baisse“; die Geschäfte gehen „gut“ oder „schlecht“.

Doch noch zu keiner Zeit gab es in der Welt einen Überschuß an Gütern — sonst hätte es ja auch einen Überschuß an Glück und Wohlstand geben müssen —, trotzdem erleben wir zuzeiten das seltsame Schauspiel, daß die Welt nach Gütern, die industrielle Maschine aber nach Arbeit hungert. Denn zwischen beide — zwischen Nachfrage und die Mittel zu ihrer Befriedigung — schiebt sich ein unübersteigbares Geldhindernis. Produktion wie Arbeitsmarkt sind schwankende, unsichere Faktoren. Statt stetig fortzuschreiten, kommen wir ruckweise vorwärts — einmal zu schnell, dann wieder überhaupt nicht. Sind sehr viele Käufer vorhanden, reden wir von einer Knappheit der Ware; will niemand kaufen, von einer Überproduktion. Ich persönlich weiß, daß wir stets eine Warenknappheit, aber noch niemals eine Überproduktion hatten. Wohl möglich, daß zuzeiten ein Überschuß an einer falschen Warensorte herrschte. Das ist aber keine Überproduktion — das ist planlose Produktion. Es mögen vielleicht auch große Mengen überteuerter Waren auf dem Markte lagern.

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Das ist ebenfalls keine Überproduktion — sondern entweder fehlerhafte Produktion oder fehlerhafte Kapitalisation. Werden aber Hausse oder Flaute im Geschäftsleben vom Schicksal diktiert? Müssen wir diese Zustände als unabänderlich hinnehmen? Die Geschäfte gehen gut oder schlecht, je nachdem wir sie gut oder schlecht gehen machen. Weswegen säen wir Korn, betreiben wir Bergwerke oder produzieren wir Waren? Weil die Menschen essen, heizen, sich kleiden und Gebrauchsartikel haben müssen. Es gibt keinen anderen Grund; dennoch wird dieser Grund ständig verschleiert — es werden Manöver vorgenommen, nicht um der Welt zu dienen, sondern um Geld zu verdie»nen — und all das nur, weil wir ein Finanzsystem ersonnen haben, das, anstatt ein bequemes Austauschmittel zu sein, zuzeiten ein direktes Austauschhindernis bildet. Doch davon später.

Nur weil wir schlecht wirtschaften, haben wir häufig unter Perioden sogenannten „Mißgeschickes“ zu leiden. Hätten wir eine ungeheure Mißernte, so könnte ich mir vorstellen, daß das Land hungern müßte; aber unvorstellbar ist es, daß wir Hunger und Armut nur um der schlechten Wirtschaft willen erdulden, einer Mißwirtschaft, die unserem widersinnigen Finanzwesen entspringt. Natürlich hat der Krieg die Wirtschaft unseres Landes in Unordnung gebracht. Er hat die ganze Welt aus den Fugen gerissen.

Aber der Krieg ist nicht allein schuld. Der Krieg zog zahlreiche Fehler unseres Finanzsystems ans Licht, vor allem bewies er einwandfrei, wie unsicher jedes nur auf einem finanziellen Unterbau ruhende Geschäft ist. Ich weiß nicht, ob schlechte Geschäfte die Folge schlechter Finanzmethoden sind, oder ob die Fehler in unserm Geschäftsleben die schlechten Finanzmethoden geschaffen haben. Ich weiß nur, daß es zwar nicht angebracht wäre, unser heutiges Finanzsystem einfach über den Haufen zu werfen, aber sicher wäre es erwünscht, unser gesamtes Geschäftsleben auf Grund des Dienstleistungsprinzips neu zu organisieren. Die Folge davon wird auch ein besseres Finanzsystem sein. Das gegenwärtige wird schwinden, weil es keine Daseinsberechtigung hat. Doch der ganze Prozeß kann nur allmählich vor sich gehen.

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Die Stabilisierung im einzelnen kann sehr wohl von dem Individuum ihren Ausgang nehmen. Zwar lassen sich vollkommene Resultate ohne die Mitarbeit der anderen nicht erzielen, wenn das Beispiel aber im Laufe der Zeit bekannt wird, werden andere diesem einzelnen folgen, und so wird es ganz allmählich gelingen, eine Inflation des Marktes zusammen mit ihrem Zwilling, einer Depression des Marktes, in die Klasse der verhütbaren Krankheiten einzureihen. Nach der unbedingt notwendigen Reorganisation von Industrie, Handel und Finanz müßte es durchaus möglich sein, wenn auch nicht diese Periodizität selbst, so doch deren üble Folgen und damit zugleich die periodischen Depressionen von der Industrie fernzuhalten. Die Landwirtschaft befindet sich bereits in solch einem Umbildungsprozeß. Wenn Landwirtschaft und Industrie ihre Neuorganisation vollendet haben, werden sie sich ergänzen: sie sind Komplementäre, nicht getrennte Komplexe. Als Beispiel möchte ich unsere Ventilfabrik anführen. Wir haben sie dreißig Kilometer von der Stadt entfernt auf dem Lande errichtet, damit die Arbeiter zugleich Bauern sein können. Durch Einführung geeigneter Maschinen wird man in Zukunft zur Landarbeit nur einen Bruchteil der Zeit verwenden brauchen, die heute erforderlich ist. Die Zeit, die die Natur zum Produzieren benötigt, ist viel größer als des Menschen Arbeitszeit beim Säen, Kultivieren und Ernten. In vielen Zweigen der Industrie, deren Produkte nicht umfangreich sind, bleibt es sich auch so ziemlich gleich, wo produziert wird. Mit Hilfe der Wasserkraft läßt sich vieles recht gut auf dem Lande machen. Wir werden daher in größerem Maße als bisher einen Industriestand bekommen, der zugleich Bauernstand ist und der unter den denkbar ökonomischsten und gesündesten Bedingungen wirkt.

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Die Saisonindustrien lassen sich auf diese Weise versorgen. Auf etwas andere Art wird man wieder für eine richtige Reihenfolge der Produkte, je nach Jahreszeit und Ausrüstung sorgen können, und wieder auf andere Art müßte man imstande sein, unter sorgfältiger Organisation gute und schlechte Zeiten auszugleichen. Eingehendes Studium jeder beliebigen Frage müßte hierzu die richtigen Wege zeigen.

Die periodischen Depressionen sind das Schlimmere von den beiden Übeln, weil sie so ausgedehnt sind, daß sie als unübersehbar erscheinen. Bis nicht die gesamte Neuorganisation vollendet ist, lassen sie sich auch nicht völlig beherrschen, aber jeder Geschäftsmann vermag sich bis zu einem gewissen Grade selbst zu helfen und, indem er seinem Unternehmen sehr wesentlich hilft, auch den anderen zu nützen. Die Fordproduktion hat zu keiner Zeit im Zeichen guter oder schlechter Geschäfte gestanden. Sie ist unbeschadet der Verhältnisse ihren graden Weg gegangen, ausgenommen in den Jahren 1917/19, in denen sie für Kriegszwecke umgestellt wurde. Das Jahr 1912/13 galt als ein schlechtes Geschäftsjahr, obgleich es heute von manchen als „normal“ bezeichnet wird. Wir haben damals unsern Umsatz fast verdoppelt; 1913/14 war entschieden flau: wir vermehrten unsern Absatz um ein Drittel. Das Jahr 1920/21 gilt als eines der trübsten, deren die Geschichte sich entsinnen kann: wir hatten einen Absatz von 1 1/4 Million Waagen, das heißt rund das Fünffache von 1912/13, dem sogenannten, „normalen“ Jahr. Ein besonderes Geheimnis steckt nicht dahinter. Wie bei allen anderen Vorgängen in unserem Unternehmen war auch dieser nur eine logische Folge aus einem Prinzip, das sich auf jedes Unternehmen anwenden läßt.

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Heule zahlen wir ohne jede Einschränkung einen Mindestlohn von sechs Dollar für den Tag. Die Leute sind so daran gewöhnt, hohe Löhne zu verdienen, daß eine Überwachung überflüssig geworden ist. Jeder Arbeiter erhält seinen Mindestlohn, sobald er die Mindestleistung in seiner Produktion erreicht hat — und das hängt ausschließlich von seinem Wunsche zu arbeiten ab. Wir schlagen unsern voraussichtlichen Gewinn auf die Löhne drauf und zahlen jetzt höhere Löhne als zur Hochkonjunkturzeit im Kriege. Aber wie immer zahlen wir sie als Entgelt für die Arbeitsleistung. Daß die Leute wirklich arbeiten, geht aus der Tatsache hervor, daß ungefähr 60% der Arbeiter mehr als den Mindestlohn verdienen. Sechs Dollar im Tage sind eben kein Durchschnitts-, sondern der Mindestlohn.

Welches sind die Grundlagen des Wohlstandes? Wir kommen nicht durch eine Reihe kühner Sprünge vorwärts. Jeder Schritt muß sorgfältig erwogen sein. Wie kann man glauben, ohne Denken vorwärtskommen zu können! Auch die Frage des Wohlstandes erfordert Nachdenken. Eine wirkliche Zeit der Blüte ist jene, die einer möglichst großen Anzahl Menschen alles gewährt, was sie an Essen, Trinken, Kleidung, kurz zu einem behaglichen Dasein brauchen! Der Grad der Behaglichkeit der Mehrzahl des Volkes — nicht die Höhe des Bankkontos der Produzenten — ist Maßstab für den Wohlstand des Landes. Aufgabe des Produzenten ist es, zu dieser Behaglichkeit beizusteuern. Er ist ein Instrument der Gesellschaft und vermag der Gesellschaft nur dann zu dienen, wenn er sein Unternehmen so gestaltet, daß er der Öffentlichkeit ein immer mehr vervollkommnetes Produkt zu immer niedrigerem Preise bietet, sowie allen denen, die an seinem Geschäft beteiligt sind, stetig steigende Löhne auf Grund der von ihnen geleisteten Arbeit zahlt. So, aber auch nur so, erwirbt sich der Produzent und jeder andere Geschäftsmann Daseinsberechtigung.

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In unseren Betrachtungen halten wir uns keineswegs an die Statistiken oder Theorien der Nationalökonomen über periodische Zyklen des Wohlstandes und der Depression. Zeiten, in denen die Preise hoch sind, gelten bei ihnen als „wohlhabend“ . Dabei läßt sich eine wirklich wohlhabende Zeit nicht an den Preisen der Produzenten für ihre Produkte berechnen.

Wir haben es hier keineswegs mit tönenden Begriffen zu tun. Sind die Preise der Güter höher als die Einnahmen des Volkes, so gilt es, die Preise dem Einkommen anzupassen. Gewöhnlich beginnt der Zyklus des Geschäftslebens mit dem Produktionsprozeß, um bei dem Konsumenten zu enden. Will aber der Konsument nicht kaufen, was der Produzent zu verkaufen hat, oder fehlt ilim dazu das Geld, so schiebt der Produzent dem Konsumenten die Schuld zu und behauptet, daß die Geschäfte schlecht seien, ohne sich klar zu machen, daß er mit seinen Klagen den Wagen vor das Pferd spannt.

Ist der Produzent für den Konsumenten da oder umgekehrt? Will oder kann der Konsument nicht kaufen, was der Produzent ihm bietet, ist das dann die Schuld des Produzenten oder des Konsumenten? Ist es überhaupt jemandes Schuld? Ist aber niemand daran schuld, so muß der Produzent sein Geschäft schließen.

Welches Geschäft hat aber jemals wirklich mit dem Produzenten angefangen und mit dem Konsumenten aufgehört? Woher stammt das Geld, das die Räder treibt? Natürlich von dem Konsumenten. Der Erfolg im Produzieren beruht doch ausschließlich auf der Geschicklichkeit des Produzenten, dem Konsumenten mit dem zu dienen, was ihm gefällt. Ihm kann durch Qualität oder durch Preis gedient werden. Am besten wird ihm gedient durch höchste Qualität bei niedrigstem Preise; und wer dem Konsumenten die höchste Qualität zu niedrigsten Preisen zu liefern vermag, wird unfehlbar ein Führer der Industrie werden, gleichgültig welchen Artikel er produziert. Das ist ein unumstößliches Gesetz.

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Warum also herumsitzen und auf gute Geschäfte warten? Reduziert die Kosten durch tüchtigere Geschäftsführung. Reduziert die Preise entsprechend der Kaufkraft.

Das Herabdrücken der Löhne ist die leichteste und gleichzeitig die liederlichste Art, um einer schwierigen Situation Herr zu werden, von der Inhumanität ganz zu schweigen. In Wahrheit heißt das, die Unfähigkeit der Geschäftsführung auf die Arbeiter abwälzen. Wenn wir nur klar sehen wollen, so müssen wir erkennen, daß jede Depression auf dem Wirtschaftsmarkt einen Ansporn für den Produzenten bedeutet, mehr Gehirn in sein Geschäft zu stecken! — durch Umsicht und Organisation zu gewinnen, was andere durch Drücken der Löhne zu überwinden suchen. Mit Löhnen experimentieren, bevor eine allgemeine Änderung erreicht ist, heißt der eigentlichen Schwierigkeit aus dem Wege gehen.

Rückt man der wahren Schwierigkeit jedoch von Anfang an zu Leibe, so ist eine Lohnherabsetzung überhaupt unnötig. Das ist wenigstens meine Erfahrung. Praktisch ist der Haken der, daß man bereit sein muß, bei diesem Anpassungsprozeß einen gewissen Velust zu tragen. Diesen Verlust vermag aber doch nur der zu tragen, der etwas zu verlieren hat? Dabei ist der Ausdruck, „Verlust“ eigentlich irreführend. In Wahrheit entsteht gar kein Verlust. Es wird nur auf einen gewissen Teil des bisherigen Profits zuliebe eines größeren künftigen Gewinnes verzichtet. Vor kurzem unterhielt ich mich mil einem Eisenwarenhändler aus einer Kleinstadt. Der Betreffende meinte:

„lch bin jetzt darauf gefaßt, etwa l0000 Dollar an meinen Beständen zu verlieren. In Wirklichkeit verliere ich ja aber gar nicht so viel. Wir Eisenwarenhändler haben recht gute Geschäfte gemacht. Meine Bestände habe ich zum allergrößten Teile teuer eingekauft, ich habe sie ja aber schon verschiedene Male mit gutem Gewinn erneuert.

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Außerdem sind die 10000 Dollar, die ich, wie gesagt, verlieren werde, ja eine ganz andere Art von Dollar als die früheren. Sie sind gewissermaßen Spekulationsgeld. Es sind nicht dieselben guten Dollar, die ich für hundert Cent das Stück gekauft habe. Daher sind meine Verluste, obgleich sie hoch erscheinen, in Wirklichkeit gar nicht so hoch. Gleichzeitig ermögliche ich aber meinen Miteinwohnern hier, ihre Häuser weiter zu bauen, und sich nicht durch die Höhe der Ausgaben für die Eisenteile abschrecken zu lassen.“

Der Mann war ein kluger Kaufmann. Er zog es vor, sich mit geringerem Gewinn zu begnügen und die Geschäfte in Flulj zu halten, als seine teueren Bestände zu behalten und den Fortschritt des Gemeinwesens zu hemmen. Ein derartiger Kaufmann ist für jede Gemeinde ein Gewinn. Er ist ein klarer Kopf; er findet es gleichfalls richtiger, einen Ausgleich mit Hilfe seines Inventars zu schaffen, als die Löhne seiner Angestellten und damit auch ihre Kaufkraft zu drücken.

Er beharrte nicht müßig auf seinen Preisen und wartete, bis sich etwas ereignete. Er erkannte, was alle scheinbar vergessen haben — daß es zum Unternehmertum gehört, gelegentlich auch Geld zu verlieren. Auch wir mußten unsere Verluste tragen.

Auch unser Umsatz verringerte sich allmählich wie überall. Wir hatten ein großes Lager. Angesichts der Kosten des Rohmaterials und der fertigen Teile konnten wir nicht billiger als zu dein geforderten Preise herstellen. Dieser Preis war aber höher, als ihn das Publikum bei der damaligen (Geschäftslage zu zahlen bereit war. Wir gingen im Preise herunter, um wieder flott zu werden. Wir standen vor der Wahl, entweder einen Preisabstrich von 17 Millionen Dollar auf unser Inventar vorzunehmen oder durch eine vollständige Stockung des Geschäftes viel größere Verluste zu erleiden. Im Grunde blieb uns also gar keine Wahl.

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Vor eine derartige Situation wird jeder Geschäftsmann einmal gestellt. Er kann den Verlust entweder freiwillig buchen und weiter arbeiten oder gar keine Geschäfte macher und den Verlust der Untätigkeit tragen. Der Verlust aus vollständiger Untätigkeit ist aber meist viel größer, als der tatsächliche Geldverlust; denn die Perioden der Stockungen kosten ihn noch obendrein Kraft an Initiative; und dauert die Flaute lange, wird er nicht mehr genügend Energie übrig behalten, um wieder von vorn anfangen zu können.

Es hat keinen Zweck zu warten, bis die Geschäfte wieder von selbst anziehen. Will ein Produzent seine Aufgabe wirklich erfüllen, muß er seine Preise herabsetzen, bis das Publikum sie zahlen kann und will. Irgendeinen Preis gibt es immer, den die Käufer, mag die Lage noch so schlecht sein, für einen wirklichen Gebrauchsartikel zahlen können und wollen; ist nur der Wille vorhanden, so läßt sich dieser Preis auch einhalten. Das darf aber weder durch Qualitätsverminderung noch durch kurzsichtiges Sparen geschehen, wodurch nur die Unzufriedenheit der Arbeiterschaft erregt wird. Auch Eifer und Betriebsamkeit können nichts ändern.

Das Einzige, was hilft, ist eine Erhöhung der Leistungsfähigkeit, Steigerung der Produktion. Von diesem Gesichtspunkt aus kann man jede sogenannte Geschäftsdepression als eine direkte Herausforderung an Geist und Kopf der Geschäftswelt des betreffenden Gemeinwesens betrachten, es besser zu machen. — Die einseitige Einstellung auf den Preisfaktor anstatt auf Dienstleistung kennzeichnet einwandfrei jenen Typ, der keine Berechtigung hat, Geschäftsmann, Eigentümer von Produktionsmitteln zu sein.

Das ist nur ein anderer Ausdruck für die Forderung, daß Verkäufe auf der natürlichen Basis des reellen Wertes vorgenommen werden müßten die gleichbedeutend ist mit den Kosten der Umwandlung menschlicher Energie in die Erzeugnisse von Handel und Industrie. Diese schlichte Formel gilt aber nicht als, „busineßlike“. Dazu ist sie nicht kompliziert genug., Busineß“ beherrscht die von Hauso aus ehrlichste aller menschlichen Tätigkeiten und macht sie Ford 11 der spekulativen Schlauheit derer dienstbar, die eine künstliche Knappheit an Lebensmitteln und anderen Lebensnotwendigkeiten erzeugen, um eine künstlich gesteigerte Nachfrage hervorzurufen. So löst die künstliche Erschlaffung die künstliche Aufpeitschung ab.

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Ständig, wenn auch mitunter ganz unbewußt, wird gegen die ökonomische Gerechtigkeit gesündigt. Man kann mit gleichem Rechte behaupten, daß die ökonomischen Verhältnisse die Menschen zu dem gemacht haben, was sie sind, wie, daß die Menschen die ökonomischen Verhältnisse geschaffen haben. Am häufigsten hören wir jedoch die Behauptung, daß unser ökonomisches System die Menschen von heute geschaffen hat. Sämtliche Fehler der menschlichen Natur werden der modernen Industrie zur Last gelegt. Viele behaupten ferner, daß der Mensch Herr und Schöpfer seiner Umgebung sei, und daß das Schlechte in Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft nur ein Reflex des Schlechten im Menschen selbst darstelle. Die Mängel unseres modernen industriellen Lebens seien nur Abbilder der Mängel der menschlichen Natur. Die Produzenten geben jedoch nur höchst ungern zu, daß die Fehler in den industriellen Methoden unserer Zeit zum Teil wenigstens ihre eigenen systematisierten und auf die Allgemeinheit ausgedehnten Fehler sind. Rückt man die ganze Frage indes aus dem Bereich des Persönlichen hinaus, so wird man bald die Wahrheit erkennen.

Das Eine ist sicher: wäre unsere menschliche Natur weniger gebrechlich, so wäre auch ein weniger gebrechliches soziales System entstanden. Wäre sie noch schlimmer als sie ist, so würde auch unser soziales System noch größere übelstände zeigen — obgleich ein noch schlimmeres System sich wahrscheinlich nicht bis heute gehalten hätte. Doch nur wenige werden behaupten wollen, die Menschheit hätte von vornherein bewußt die Gesellschaft auf falscher Grundlage aufgebaut. Zugegeben, daß sämtliche Fehler der Seilschaft sich im Menschen selber wiederfinden. Daraus folgt noch immer nicht, daß der Mensch sie vorsätzlich systematisiert und verbreitet hat. Viel ist der Unwissenheit zuzuschreiben; viel der Unerfahrenheit und Unschuld.

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Betrachten wir einmal die Anfänge unseres heutigen industriellen Systems. Seine Entwicklung finden wir nirgends vorgeschrieben. Jeder neue Fortschritt wurde mit Freuden begrüßt. Niemand dachte daran, „Kapital“ und „Arbeit“ als feindliche Interessen zu bezeichnen. Keiner ließ sich träumen, daß im Erfolge selbst heimtückische Gefahren lauerten. Dennoch traten im Laufe der Entwicklung sämtliche latenten Mängel hervor. Die Unternehmen wuchsen derart an, daß der Unternehmer mehr Helfer benötigte, als er mit Namen nennen konnte. Diese Tatsache rief aber nicht Bedauern, sondern Jubel hervor. Trotzdem ist daraus allmählich ein System erwachsen, daß so unpersönlich ist, daß der einzelne Arbeiter darin kein Mensch, sondern nur ein Teil des Systems noch ist. Niemand glaubt natürlich allen Ernstes, daß dieser entmenschlichende Prozeß vorsätzlich eingeleitet wurde. Er hat sich einfach von selbst ergeben. Im Keime schlummerte er bereits in den Anfängen des Systems, aber keiner hatte ihn dort entdeckt, und keiner vermochte diese Folgen vorauszusehen, allein eine ungestörte, erstaunliche Entwicklung vermochte ihn ans Tageslicht zu ziehen.

Wie heißt der Leitgedanke der Industrie — wie lautet er? Der wahre Leitgedanke heißt nicht Geldverdienen. Der industrielle Leitgedanke fordert Schaffung einer nützlichen Idee und deren Vervielfältigung ins Abertausendfache, bis sie allen zugute kommt.

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Produzieren und wieder produzieren; ein System ersinnen, auf Grund dessen das Produzieren zu einer hohen Kunst wird; die Produktion auf eine Basis stellen, die ein ungehemmtes Wachstum und den Bau immer zahlreicherer Werkstätten, die Hervorbringung immer zahlreicherer nützlicher Dinge ermöglicht — das ist der wahre industrielle Leitgedanke. Aus der Spekulation anstatt aus der Arbeit Gewinn schlagen, bedeutet jedoch die direkte Verneinung des industriellen Gedankens. Zwar gibt es Kurzsichtige unter uns, die nicht einsehen können, daß das Geschäft selbst größeres als irgendeines Menschen vereinzeltes Interesse umfaßt. Das Geschäft ist ein ewiges Nehmen und Geben, ein Leben und Lebenlassen. Es ist eine Kooperation vieler Kräfte und Interessen. Wer glaubt, das Geschäft sei ein Fluß, dessen heilbringende Strömung stocken müßte, sobald sie ihn erreicht hat, der befindet sich in einem verhängnisvollen Irrtum. Es wäre das gleiche, als wenn man meinte, das Geschäft durch Unterbindung seines Blutkreislaufes am Leben erhalten zu können. Das hieße Güter durch Unterbindung der Güterproduktion schaffen.

Das Prinzip der Dienstleistung muß und wird die schlechten Geschäfte kurieren. Und damit sind wir zur praktischen Durchführung der Prinzipien des Dienens und der Finanz gelangt.

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Version History & Notes

Version 1: Published Aug 16, 2015

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Notes

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* Images in text are not in the original document.

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Knowledge is Power in Our Struggle for Racial Survival

(Information that should be shared with as many of our people as possible — do your part to counter Jewish control of the mainstream media — pass it on and spread the word) … Val Koinen at KOINEN’S CORNER

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https://katana17.wordpress.com/

 

 

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Henry Ford — Teil 4: Das eigentliche Geschäft beginnt

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Henry Ford — Teil 6: Die eigentliche Produktion beginnt

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Henry Ford — Teil 8: Der Terror der Maschine

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Henry Ford — Teil 10: Warum nicht immer gute Geschäfte machen?

 

 

 

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Version 1: Aug 16, 2015

 

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3 Responses to Henry Ford — Teil 10: Warum nicht immer gute Geschäfte machen?

  1. Danke schön für diesen hilfreichen Beitrag

    • katana17 says:

      Thank you Lindy for your appreciation. By the way I will get around to finishing the whole book.

      [Danke Lindy für Ihr Verständnis. By the way, werde ich bekommen um das ganze Buch zu beenden. (Goggle translate 🙂

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